Juni 2026 | Chiemsee / Juist
70 ist das neue 60! Vielleicht sogar das neue 55? – denn selbst 60 kommt mir noch zu alt vor. Als Theo Sommer – im Juni 2000 (!) – 70 Jahre alt wurde, schrieb er in der ZEIT, (die selbst dieses Jahr auch 70 wurde), er fühle sich immer noch wie ein Junge. Das kam mir damals ziemlich unangemessen vor. Ich war erst 44! „Erst“ wohl gemerkt! Also immer eine Frage der Perspektive. Udo Lindenberg wurde kürzlich achtzig. Mein „Benchmark“ ist der 87-jährige Freund WvS.

Geprägt von stetem Selbstzweifel und Sprunghaftigkeit, war / bin ich immer hin- und her gerissen, ob der hier abgebildete Inhalt „anspruchsvoll“ genug ist, um ihn dem Leser zuzumuten. Zumutung ist ja im weiteren Sinne auch das große Thema des Alterns. Hier bin ich eher Realist. Auch wenn die „Best Agers“, wie z.B. eine Elke Heidenreich, geb. 1943 vom großen Glück etc. sprechen. (Um ehrlich zu sein, weiß ich das gar nicht genau; denn ihr Buch Altern habe ich gar nicht gelesen, sondern nur davon gehört.) Das Zitat von Philip Roth „Das Alter ist kein Kampf, das Alter ist ein Massaker“ finde ich zwar sehr witzig, aber an dem Punkt bin ich noch lange nicht. Sein Alter Ego Nathan Zuckerman leidet natürlich sehr unter seiner angeschlagenen männlichen Gesundheit: nachlassendes Gedächtnis, Prostataleiden, Impotenz und Inkontinenz. Wie lächerlich und peinlich aus der Sicht der Jungen. Doch welcher Mann über Neunzig (hahaha) weiß nicht darum? Ich nehme immer wieder bei meinen Geschlechtsgenossen Phänomene wie trockene Haut, Nagelpilz, Bauchansatz, Ungepflegtheit in Nase und Ohren wahr und denke mir: alte Männer. … Echt ein Thema von Allen! Die Hörgeräte Industrie würde gerne vermitteln, dass ihre Teile genauso schick wie Brillen sind. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Ja, Selbstzweifel – und doch denke ich mir: Mit Siebzig kann man sich schon mal die Zeit nehmen und einen Blog starten, der sich dem Altern widmet. Wie schreibt Stefan Zweig so schön: In seinem siebzigsten Lebensjahr, einem Alter, wo sonst der produktive Geist allmählich zu ermüden pflegt, hat Sigmund Freud …
Persönlich, eher anspruchslos
Dies hier ist meine persönliche Aufbereitung des Alterns. Es ist meine Spielwiese, die gleichzeitig unterhaltsam und informativ sein soll. Anspruchslos. Max Frisch, der mich ein Leben lang begleitet, stellt seinem Alterswerk „Montauk“ den Epilog zu den Essais von Michel de Montaigne (1580) voran: «Dies hier ist ein aufrichtiges Buch, Leser. Es warnt dich schon beim Eintritt …» … – Ganz so aufrichtig wie bei Frisch oder Montaigne geht es hier nicht zu.
Zu den Essais von Montaigne heisst es anderer Stelle: Er will sein eigenes, anspruchsloses Porträt vorlegen, und – und das ist eben das Neue an diesem Unternehmen – er tut dies nicht in der Form der Memoiren, des erinnerten Lebenslaufs, sondern in der Beschäftigung mit zahllosen, scheinbar willkürlich ausgewählten Gegenständen. (Suhrkamp)
Von meinem sehr verehrten Leonard Cohen stammt: Forget your perfect offering – There is a crack, a crack in everything. That’s how the light gets in. Ring the bells that still can ring. Forget your perfect …
Im selben Jahr – also 2026 – ist Herbert Grönemeyer ebenfalls 70 Jahre alt geworden. Und mein Kardiologe Alexander Z., der mir schon mein Leben gerettet hat, und mein Lieblings Italiener Ricardo R. sind auch 70 geworden. Und Nina Ruge ist auch Jahrgang 56.
Und was das eventuelle Geheimrezept von Herbert Blomstedt (Jahrgang 1927!) ist, thematisiere ich hier.
Das hier ist einer der ganz wenigen Beiträge, bei denen eine Kommentierung möglich ist. Ich freue mich wirklich sehr über eine Kommentierung, auch über Kritik und Verbesserungsvorschläge! Wie ich o.a. schreibe, bin ich voller Selbstzweifel, ob das hier abgebildete es überhaupt wert ist, sich dafür die Zeit zu nehmen.

Herzlichen Glückwunsch !
Wow! Was ist denn das für eine gigantische Domain? Wie kommt man denn dazu? Angesichts dieser komplexen Thematik wie dem Altern ist dieses „Sammelsurium“ ein netter Versuch. Viel Erfolg!!
Danke für das Kompliment! (Vor über 30 Jahren registriert. Dachte mir damals, könnte mal relevant werden. 🤣 … )
Ich bin begeistert!
Ich werde auf jeden Fall fleißige Leserin werden.
Der Ansatz „Nehmen wir es mit Humor“ entspricht mir total.
Und die Artikel sind sehr inspirierend.
Dieter Rams – was für eine Ikone.
Danke dir sehr für deinen Input.
Ja, danke auch von meiner Seite. Und Danke! überhaupt. Wie wichtig!
Lieber Jochen,
Eine grandiose Idee, dieses von Dir initiierte altern.de-Projekt, in Kombination damit, dass Du diese Domain in weiser Voraussicht schon vor Jahrzehnten erworben hast.
Es ist doch alles kein Problem, denn man ist so alt wie man sich fühlt; wir fühlen uns alle jung; also würde auch die Domain jungsein.de oder sichjungfühlen.de seinen Zweck erfüllen.
Wenn in den öffentlichen Verkehrsmitteln andere ihren Sitzplatz anbieten, wird man schlagartig aus der sich jung -fühlen -Komfortzone herausgerissen und würde am liebsten sagen, nein, ganz im Gegenteil, man stehe ja auch bei Pop-und Rockkonzerten 3 Stunden lang, was vielleicht bei der Platzanbietenden Person nicht möglich ist.
Man würde auch gerne mitteilen, welch große Lebenslust man verspürt, fast mehr als in jüngeren Jahren, was wohl mit Dankbarkeit, Lebenserfahrung, Bescheidenheit , der totalen Freiheit, machen zu dürfen was man will, auch der Freiheit, sich nicht sagen zu lassen, was man tun oder nicht tun soll, und der nicht mehr allzu langen Restlebenszeit zusammenhängt, die man ganz bewusst als souverän gestalteten Lebensabschnitt geniessen will. Welch Glück, wenn man dann auch noch eine eigene Familie hat, die ja mit dem eigenen Alterungsprozess wächst und gedeiht. Man kann das Zusammensein mit seinen Kindern, den Schwiegerkindern und seinen Enkeln uneingeschränkt geniessen, ist jeglicher Verantwortung entbunden, darf nur noch beobachten und sich selber ab und zu in dieses selbst geschaffene Familiengeflecht hineinbegeben, nur genießend und bewundernd. Man braucht also viele Batterien, die Familie ist die eine, enorm wichtige Batterie, andere muss man sich so heranzüchten, dass sie die innere Balance ermöglichen und die eigene Glückseligkeit am Laufen halten.
Für mich habe ich schon seit 60 Jahren die Pop-und Rockmusik und alles, was es da im Umfeld an verschiedenen Musikrichtungen noch gibt , entdeckt, natürlich auch mit sehr vielen Live-Konzerten, die ja ihrerseits eine intensive Art der Batterie-Aufladung sind. Und vor 9 Jahren kam noch etwas ganz Anderes hinzu: da geht es um Kunst, Freundschaft und Humor ; es ist die Schlaraffia , gegründet 1859 in Prag . Die Schlaraffen werden ziemlich alt und immer wieder hört man einen Schlaraffen sagen, dass er ohne die Schlaraffia nicht so alt geworden wäre.
So, nun lasse ich die Leser wieder alleine altern, und während man meinen Text gelesen hat, ist man bereits wieder um paar Minuten gealtert.
Herzlichst
Konstantin v Harder
Danke, lieber Konstantin, wie recht Du – in allen aufgezählten Aspekten – hast! Auch wenn ich mich mit Deinen Erzählungen zur Schlaraffia ein wenig schwertue, überzeugend sind ihre Ideale Freundschaft und Humor. Sich einfach nur über die Absurditäten des Lebens lustig machen! Damit altert man sicherlich gut. Dein Jochen
Lieber Jochen,
Dein Blog ist eine sehr gute Idee!
Ich füge einen Post an, dessen Autor mir unbekannt ist und den ich leicht verändert habe:
Wir sind in einem sehr komfortablen Alter!
Wir Nachkriegs-Geborenen haben einen tollen Zeitabschnitt erwischt und so ziemlich alles, was wir uns vor 60 Jahren vorgestellt haben:
Wir haben unsere Ausbildung abgeschlossen und brauchen nicht mehr zu arbeiten. Wir haben ein monatliches Taschengeld und eine menschenwürdige Wohnung. Die meisten haben einen Führerschein, viele ein eigenes Auto.
Als Kinder haben wir verbotenerweise in Trümmergrundstücken gespielt und fanden das spanend. Dann kamen Aufschwung und Wohlstand. In unserer Jugend gab es schon die Pille, aber noch keine lebensbedrohlichen Geschlechtskrankheiten.
Menschen in unserem Alter haben keine Angst mehr, schwanger zu werden oder jung zu sterben, denn wir haben bereits das Glück, fast alt zu sein. Von Kriegen unseres Landes sind wir (zumindest bisher) verschont geblieben. Das Leben ist also Klasse!
Außerdem: Wir sind einigermaßen schlau. Unser Gehirn ist nicht schwächer geworden, sondern es ist langsamer, weil es mit Wissen überladen ist. Nur deshalb müssen wir also manchmal länger unter den Mengen von Daten und Erlebtem nach den jeweiligen Fakten suchen. Es ist genau wie bei Computerfestplatten, die sich verlangsamen, weil sie voller Daten sind. In unserem Kopf haben sich viele Dinge angesammelt, die übrigens Druck auf das Innenohr ausüben, weshalb wir manchmal schlechter hören.
Menschen unseres Alters kommen oft in ein Zimmer und wissen nicht mehr, was sie dort eigentlich wollten. Oder wir erinnern uns nicht, wo wir etwas abgelegt haben. Warum ist das so? Das ist kein Speicherproblem, sondern eine Vorsehung der Natur, damit wir wenigstens ein bisschen in Bewegung bleiben.
FÜR ALLE ÜBER 60:
Deine wichtigsten Aktionen:
1. Lächle und lache viel!
2. Trainiere, aber nur in Deinem eigenen Tempo
3. Verbringe mehr Zeit mit Freunden (nicht immer nur mit Verwandten, Kindern oder Enkelkindern, sondern mit FREUNDEN !!!
Sieben wesentliche Dinge:
1. Warte nicht, bis Du Durst verspürst. Trinke öfter! Es muss auch nicht immer nur Wasser sein!
2. Warte nicht, bis Du Dich schläfrig fühlst. Schlafe öfter, wenn Du Lust dazu hast.
3. Warte nicht, bis Du krank wirst, um dich medizinisch untersuchen zu lassen. Gehe regelmäßig zum Onkel Doktor!
5. Erwarte keine göttlichen Wunder!
6. Verliere niemals das Vertrauen!
7. Bleib positiv und hoffe immer auf das Beste!
Drei Dinge, die Du versuchen solltest, zu vergessen:
1. Alter
2. Vergangenheit
3. Beschwerden
Drei wichtige Dinge:
1. Freunde
2. positive Gedanken
3. ein ruhiges und gastfreundliches Haus.
In diesem Sinne herzliche Grüße
Gert
Lieber Gert! Danke für deinen ausführlichen Post. Ich gebe dir in sehr vielem recht. Er gibt mir auch zu bedenken, da ich eindeutig die Familie priorisiere. Das Erleben zu meinem 70. mit meiner Familie (immerhin elf Personen) auf Juist war so traumhaft. Aber natürlich sind Freunde auch sehr wichtig. Leider habe ich in den letzten Jahren das Pech, einige gute Freunde verloren zu haben. (Nicht nur aufgrund des naturgegebenen Schicksals, sondern auch weil sie sich von mir abgewendet haben.) Herzliche Grüße Jochen